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Diagnose

Diagnose

Svenja Niescken | 02.11.2006

Zwangsstörungen sind in ihrer Häufigkeit lange Zeit stark unterschätzt worden. Inzwischen steht fest, dass weltweit 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung irgendwann im Leben an behandlungsbedürftigen Zwängen leidet („Lebenszeitprävalenz“). Somit sind in der Schweiz statistisch gesehen rund 100.000 Männer und Frauen betroffen. Die Störung beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und trifft beide Geschlechter etwa gleich häufig. Bei 85 Prozent der Betroffenen sind die Symptome vor dem 35. Lebensjahr voll ausgeprägt. Viele der Betroffenen haben jedoch bereits in der Kindheit und Jugend zwanghafte Verhaltensweisen gezeigt.

Zwänge zuverlässig erkennen mit ICD-10 und DSM-IV

Um Zwangsstörungen und andere psychische Erkrankungen präzise und zuverlässig erkennen zu können, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in Zusammenarbeit mit den psychiatrischen Vereinigungen der USA und den europäischen Länder sehr aufwändige Klassifikationssysteme entwickelt. Das "ICD-10" („International Classification of Diseases“) der WHO liegt inzwischen in der 10. verbesserten Revision vor, das "DSM-IV" (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der American Psychiatric Association APA in der 4. Auflage.

Diagnosekriterien einer Zwangserkrankung nach ICD-10 ("Internationale Klassifikation der psychiatrischen Krankheiten") der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • Für die Diagnose Zwangserkrankung müssen mindestens zwei Wochen lang an den meisten Tagen Zwangsgedanken oder -handlungen oder beides nachweisbar sein
  • Die Zwangsgedanken werden als die eigenen Gedanken erkannt und nicht als von aussen aufgezwungen erlebt
  • Die Betroffenen versuchen sich gegen die Zwangssymptome zu wehren, haben dabei aber keinen beziehungsweise nur sehr begrenzten Erfolg
  • Die Zwangsgedanken und -handlungen wiederholen sich auf die gleiche Weise ("stereotyp") in einer für den Betroffenen unangenehmen Weise und werden darüber hinaus als sinnlos oder zumindest übertrieben empfunden
  • Die Betroffenen leiden unter ihren Zwangsgedanken und -handlungen. Der damit verbundene hohe Zeitaufwand behindert sie in ihren sozialen Kontakten und ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit


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