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Zwänge zuverlässig erkennen
Diagnostische Verfahren zum Erkennen von Zwängen
| 04.11.2006Anerkannte diagnostische Verfahren zum Erkennen und Einschätzen von Zwangsstörungen und möglichen Begleitstörungen
Y-BOCS (Yale- Brown Obsessive Compulsive Scale ) Goodman et al. 1986, revidierte Fassung 1989
DAS VERFAHREN: Die Y-BOCS ist vor allem in der amerikanischen Forschung aber auch im übrigen englischsprachigen Raum seit einigen Jahren das Standard- Fremdrating- Verfahren zur qualitativen Spezifizierung und Quantifizierung des Schweregrades von Zwangsstörungen. Sie wird als halbstrukturiertes Interview eingesetzt und besteht aus 19 beziehungsweise 21 (revidierte Version) Items. Der Schweregrad von Denk- und Handlungszwängen wird getrennt erfasst - jeweils im Hinblick auf den Zeitaufwand, die Beeinträchtigung im Alltagsleben, den wahrgenommenen Leidensdruck, den eingesetzten Widerstand und die ausgeübte Kontrolle über die Symptomatik beurteilt. Die jeweilige Ausprägungsmöglichkeit reicht von 0 (nicht vorhanden) bis 4 (extrem ausgeprägt),
ZUVERLÄSSIGKEIT: Die psychometrische Analyse der Y-BOCS (Goodman et al. 1989a) ergab im Hinblick auf die Interrater-Reliabilität sowohl für den Gesamtscore als auch für die ersten zehn Items hohe Übereinstimmungen, da alle Korrelationen über 0,85 lagen (Pearson's Korrelationskoeffizient). Hinsichtlich der internen Konsistenz ergab sich ein Durchschnittswert von 0,89 (Cronbachs alpha) für alle "Rater".
GÜLTIGKEIT: Eine Validitätsstudie (Goodman et al. 1989b) erbrachte folgende Resultate: Bei der Überprüfung der konvergenten Validität ergaben sich hohe Korrelationen (nach Pearson) mit zwei unabhängigen Skalen zur Erfassung von Zwangserkrankungen (Clinical Global Impression. Global OC Severity Scale. CGI-OCS: r = 0,74; National Institute of Mental Health Global Obsessive Compulsive Severity Scale, NIMH-OC: r = 0,67) Die Korrelation mit der "Maudsley Obsessional Compulsive Checklist" (MOCI. Hodgson et al. 1977) lag lediglich bei r = 0,53. Die diskriminante Validität wurde überprüft durch Korrelationen mit der Hamilton-Depressionsskala und der Hamilton-Angstskala. Die signifikanten Ergebnisse (HAM-D: r = 0,60; HAM-A r = 0,47) zeigen, dass alle drei Skalen keine differentialdiagnostische Abgrenzung der entsprechenden Diagnosegruppen ermöglichen.
Für den Einsatz in der klinischen Praxis wie auch in der Forschung als gegenwärtig am besten abgesichertes Fremdrating einzustufen.
BEARBEITUNGSDAUER: Der Zeitaufwand für die Durchführung beträgt nach Einarbeitung zwischen 30 und 60 Minuten.
HZI (Hamburger Zwangsinventar)Fragebogen zur Erfassung von Zwangsgedanken und Zwangsverhalten 1. Auflage Von W. Zaworka, I. Hand, G. Jauernig und K. Lünenschloß EINSATZBEREICH: Ab 16 Jahren. DAS VERFAHREN: Denk- und Handlungszwänge kommen bei Normalpersonen, unterschiedlichen Formen neurotischer Entwicklungen, manisch-depressiven, schizophrenen und bestimmten hirnorganischen Erkrankungen mit unterschiedlicher Funktionalität vor. Das HZI bildet Denk- und Handlungszwänge differenziert ab. Die Items sind auf Verhaltensebene operationalisiert und freigehalten von persönlichkeitspsychologischen und neurosentheoretischen Konstrukten. Der Test ist daher, von wenigen Einschränkungen abgesehen, bei allen Personen, unabhängig von der übergeordneten Störung, anwendbar. Eine Kontraindikation der HZI- Vorgabe scheint bei Personen mit ausgeprägter endogener oder neurotischer Depression und bei schweren Kontrollzwängen wie auch bei Manien vorzuliegen. Das HZI besteht aus sechs Subskalen: A (Kontrollhandlungen, Wiederholungen von Kontrollhandlungen und gedankliches Kontrollieren nach einer Handlung), B (Waschen und Putzen), C (Ordnen), D (Zählen, Berühren und Sprechen), E (Gedankenzwänge) und F (zwanghafte Vorstellung, sich selbst oder anderen ein Leid zuzufügen). Alle HZI- Skalen sind unabhängig von Symptomdauer und Alter der Patienten.
ZUVERLÄSSIGKEIT: Die Retest-Reliabilitäten (2 Wochen nach Ersttestung) an einer unausgelesenen Stichprobe von Zwangsneurotikern (N = 75) liegen für die einzelnen HZI-Skalen zwischen r = .78 und r = .96. Für den Gesamttest beträgt die Retestreliabilität r = .93.
GÜLTIGKEIT: Es liegen zahlreiche Untersuchungen zur Validität vor, Stanine-Normen für die HZI-Skalen A-F, für die Gesamtskala sowie für vier Prüfskalen vor (N = 121 Zwangsneurotiker).
BEARBEITUNGSDAUER: Bei konzentriertem, durchgängigem Ausfüllen des HZI werden etwa 20 Minuten benötigt; bei schwer gestörten Patienten mit Kontrollzwängen kann sich diese Zeit auf mehrere Stunden ausdehnen.
HZI-K (Hamburger Zwangsinventar; Kurzform) 1. Auflage Von R. Klepsch, W. Zaworka, I. Hand, K. Lünenschloß und G. Jauernig DAS VERFAHREN: Beim HZI-K handelt es sich um die Kurzform des HZI. Unter Beibehaltung der sechs Dimensionen wurden von den ursprünglich 188 Items die 72 informationshaltigsten Items übernommen.
ZUVERLÄSSIGKEIT: Die Retest-Reliabilitäten (3 Monate) für die Subskalen liegen zwischen r = .73 und r = .94 (N = 25 Zwangsneurotiker).
GÜLTIGKEIT: Die Korrelationen mit den Skalen des HZI liegen zwischen r = .91 und r = .97
NORMEN: Stanine-Werte für Zwangskranke (N = 253) sowie Prozentrangwerte für Gesunde (N = 200).
BEARBEITUNGSDAUER: 15 bis 30 Minuten.
STAI (Das State-Trait-Angstinventar)1. Auflage Von L. Laux, P. Glanzmann, P. Schaffner und C.D. Spielberger
EINSATZBEREICH: Ab 15 Jahre. Einsatz im klinischen Bereich und in der experimentellen Angst- und Stressforschung.
DAS VERFAHREN: Dieses in den USA erfolgreich in Forschung und klinischer Praxis eingesetzte Verfahren basiert auf der Unterscheidung von Angst als Zustand und Angst als Eigenschaft. Das Trait-Modell der Angst, auf dem fast alle bisher entwickelten allgemeinen oder bereichsspezifischen Angstfragebogen beruhen, wurde bei der Konzeption des STAI um den Aspekt der Angst als vorübergehendem emotionalen Zustand, der in seiner Intensität über Zeit und Situation variiert (State-Angst), erweitert. Angst als relativ überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal (Trait-Angst, Ängstlichkeit) bezieht sich demgegenüber auf individuelle Unterschiede in der Neigung zu Angstreaktionen. Die zwei Skalen des STAI mit jeweils 20 Items dienen der Erfassung von Angst als Zustand (State-Angst) und Angst als Eigenschaft (Trait-Angst).
ZUVERLÄSSIGKEIT: Interne Konsistenz für beide Skalen α = .90; Retestreliabilitäten bei der Trait-Angstskala (nach 63 Tagen) r = .77 bis r = .90; erwartungsgemäß niedriger fielen die Retestreliabilitäten für die State-Angstskala aus (r = .22 bis r = .53).
GÜLTIGKEIT: Die Korrelationen der Trait-Angstskala mit der Skala zur Messung Manifester Angst (MAS) von Lück und Timaeus liegen zwischen r = .73 und r = .90. Die kriterienbezogene Validität wurde durch Korrelation mit anderen Testskalen (u.a. FPI, EPI, EWL, BIV, Paranoid-Depressivitäts-Skala, Beschwerdenliste und verschiedene subjektive Stress-Skalen) ermittelt.
NORMEN: T-, Stanine- und Prozentrang-Werte für die Trait-Angst (Altersstufen 15 bis 70; 1.107 Männer und 1.278 Frauen). Referenzwerte für studentische und für verschiedene klinische Gruppen.
BEARBEITUNGSDAUER: Etwa 3 bis 6 Minuten für jede Skala.
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