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Therapiemöglichkeiten

Therapiemöglichkeiten

Svenja Niescken | 16.11.2006

Erfolgreiche Psychotherapien im Kampf gegen den Zwang


Untersuchungen zufolge ist die kognitive Verhaltenstherapie das erfolgreichste psychotherapeutische Verfahren im Kampf gegen den Zwang: Viele Studien belegen, dass sich die Symptome bei 50 bis 70 Prozent der entsprechend behandelten Betroffenen bei Behandlungsende und auch langfristig (2 bis 6 Jahre nach Ende der Behandlung) deutlich gebessert hatten.
Im Rahmen einer Verhaltenstherapie begibt sich der Betroffene nach einer sorgfältigen Vorbereitung unter anderem systematisch in Situationen, die normalerweise Zwangssymptome auslösen (z.B. Mülleimer berühren bei Waschzwängen; Wohnung ohne Kontrolle verlassen bei Kontrollzwängen). Dabei wird er darin unterstützt, auf die neutralisierenden Zwangshandlungen zu verzichten und sich mit Hilfe seines Therapeuten den dadurch ausgelösten Gefühlen wie Angst, Unruhe und Unsicherheit zu stellen. Dieses Verfahren wird „Reizkonfrontation“ oder „Exposition in vivo“ mit anschliessendem „Reaktionsmanagement“ genannt. Es hat sich bei der Behandlung von Zwängen als überaus wirksam herausgestellt, verlangt den Betroffenen jedoch sehr viel ab.

Durch den Verzicht auf die Zwangshandlungen erfahren die Betroffenen, dass die von ihnen befürchteten Katastrophen (z.B. Wohnungsbrand durch nicht ausgeschaltete Kaffeemaschine) nicht eintreten. So verlieren die anfangs extrem unangenehmen Empfindungen ihre Intensität und es setzt eine Reizgewöhnung („Habituation“) und neue Bewertung (z.B. „ich kann mit diesen unangenehmen Gefühlen umgehen“) ein. Bei Gedankenzwängen kann eine "Exposition in der Phantasie" stattfinden.

Im Laufe der Therapie lernt der Betroffene, seine Übungen zunehmend ohne fremde Hilfe durchzuführen und so auch in konfliktreichen Situationen auf Zwangsverhalten zu verzichten. Je besser ihm das gelingt, umso dauerhafter ist der Therapieerfolg. Wichtige Erfolgsfaktoren sind die Motivation des Betroffenen und die Intensität der durchgeführten Übungen. In diesem Zusammenhang spielen auch die Bewältigung der über die Zwänge hinausgehenden Ängste wie Versagensängste und soziale Schwierigkeiten oder Hemmungen eine wichtige Rolle.


Rückfälle erfolgreich vermeiden

Wird eine Zwangsstörung möglichst rechtzeitig professionell behandelt, so können die Beschwerden in aller Regel deutlich gebessert werden. Eine dauerhafte Heilung der Zwangsstörung kann allerdings nur selten erreicht werden. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene und Angehörige einen drohenden Rückfall rechtzeitig erkennen und möglichst frühzeitig dagegen steuern.
Eine Zwangsstörung verläuft meist nicht gleichförmig, sondern weist bezüglich der Anzahl und Schwere der Symptome gewisse Schwankungen auf. Hier sollten Betroffene und möglichst auch Angehörige genau beobachten, welche Lebensumstände zu einer Zu- bzw. Abnahme der Krankheitsanzeichen führen. Möglicherweise stellen sie dabei fest, dass stressige Lebensumstände oder Streitigkeiten in der Familie regelmäßig zu einer Zunahme der Zwänge führen und können diese Situationen rechtzeitig bekämpfen.
Besonders risikoreich ist auch ein zu frühes Absetzen der medikamentösen Behandlung. Hier kommt es bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen zu einem Rückfall. Insofern ist es wichtig, die Medikamente unter Anleitung des Arztes auch bei einem Verschwinden der Symptome noch eine Weile weiter genommen und die Dosis dann schrittweise verringert („ausgeschlichen“) wird. Dieser Prozess kann durch einen verhaltenstherapeutische Behandlung unterstützt werden. Die Medikamente dürfen auf keinen Fall selbständig und abrupt abgesetzt werden.

Bitte beachten Sie: Je früher Sie einen Rückfall erkennen und dagegen steuern, umso einfacher lassen sich mit einer erneuten Behandlung Erfolge erzielen.


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