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Hilfe für Angehörige
Svenja Niescken | 17.11.2006Wie soll ich mich den Betroffenen gegenüber verhalten? Jede Familie ist anders und jeder Betroffene natürlich auch. Insofern sind allgemeine Verhaltensempfehlungen nur sehr begrenzt möglich und sinnvoll. Vielleicht können Ihnen und Ihrer Familie aber folgende Anregungen als Orientierungshilfe dienen:
Verzichten Sie auf Ratschläge und Appelle Zwangsstörungen und ihre Überwindung sind keine Frage des Willens. Insofern sollten Sie auf gut gemeinte Aufmunterungen und Appelle ebenso verzichten wie auf Diskussion über den Sinn und Zweck der Zwänge. Da die Betroffenen ohnehin schon sehr unter ihrer Störung leiden, lösen solche Ratschläge nur zusätzliche Schuldgefühle aus!
Informieren Sie sich über die Störung Für Sie und Ihre Familie kann es sehr hilfreich sein, wenn Sie sich eingehend über Zwangsstörungen informieren. Zum Beispiel über seriöse Internetangebote, Broschüren oder Ratgeber. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe auch Selbsthilfegruppen für Angehörige. Je mehr Sie über Zwänge wissen, umso gezielter können Sie den Betroffenen unterstützen.
Lehnen Sie die Zwänge aber nicht den Betroffenen ab Versuchen Sie dem Betroffenen immer wieder deutlich zu vermitteln, dass Sie zwar seine Zwangssymptome ablehnen aber ihn als Person unverändert schätzen und annehmen.
Vermeiden Sie Schuldzuweisungen Eine Zwangsstörung hat meist mehrere Auslöser. Aber sie entstehet nicht dadurch, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Geben Sie deshalb möglichst weder sich noch dem Betroffenen die Schuld an der Störung.
Sorgen Sie für professionelle Hilfe Bringen Sie den Betroffenen so früh wie möglich dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie selber können und sollen nicht in die Rolle des Therapeuten schlüpfen. Wenn Sie sich ihren Emotionen nicht mehr gewachsen fühlen, sollten Sie eventuell auch selber therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Unterwerfen Sie nicht Ihr ganzes Leben den Zwängen Lassen Sie nicht zu, dass die Zwangsstörung zum wichtigsten Familienthema wird und komplett Ihren Alltag bestimmt. Setzen Sie entsprechend Grenzen und planen Sie gemeinsame Aktivitäten, mit denen sich der Betroffene nicht überfordert fühlt. Vernachlässigen Sie auch Freunde und Hobbys nicht. Auch für andere Familienmitglieder (vor allem für Kindern) ist ein entsprechender Ausgleich wichtig.
Lassen Sie sich nicht in die Zwangsrituale einbinden Auch wenn es schwer fällt und zunächst alles schlimmer zu machen scheint: Lassen Sie sich von den Betroffenen nicht in die Zwangsrituale einbinden. Auf lange Sicht verstärken und stabilisieren Sie dadurch nur sein Zwangsverhalten.
Loben Sie Fortschritte aber kritisieren Sie Rückfälle nicht Je nach Situation und Befinden können die Zwangssymptome zu- oder abnehmen. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, dass Sie Fortschritte des Betroffenen anerkennen, ihn aber für entsprechende Rückfälle möglichst nicht kritisieren. Es ist vollkommen normal, dass Sie ab und zu ärgerlich oder auch wütend sind. Geben Sie diesen Ärger zu – aber werten Sie den Betroffenen nicht ab.
Foto: DAK
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